Mehr Mitsprache für Grundbesitzer bei Natura 2000-Projekten

Presseinformation vom
6. Juli 2004

Plattform "Natur zum Leben" fordert Finanzierungkonzept für Natura 2000-Maßnahmen

Preineder: Vorprüfungen bei Natura 2000 sollen sinnhaft sein 
Preineder: "Natura"-Maßnahmen kosten Österreich pro Jahr EUR 180 Mio.
Verwaltungskosten mit 30% viel zu hoch - zu viele Vorprüfungen 

"Die Arbeit der österreichischen Land- und Forstwirte  hat eine erhaltenswerte Kulturlandschaft hervorgebracht. Diese zu sichern ist die wesentliche Aufgabe von 'Natura 2000'. Die Kosten für die Umsetzung des Natura 2000-Netzes betragen laut aktueller Schätzungen der Länder allein für Österreich EUR 180 Mio. pro Jahr. Bis zum Jahr 2006 ist jedoch keine EU-Co-Finanzierung möglich, daher müssen alle vorher durchgeführten Maßnahmen von den Bundesländern selbst finanziert
werden." Dies erklärte heute Martin Preineder, Vorsitzender der Plattform "Natur zum Leben", der insgesamt 17 Organisationen aus dem ländlichen Raum angehören.

"Um für die öffentliche Hand kostensparend vorzugehen und gleichzeitig eine höhere Identifikation mit den Natura 2000-Projekten zu erreichen, schlagen wir eine stärkere Einbindung der Grundeigentümer in der Umsetzung vor. Am Ende des Weges sollte der Vertragsnaturschutz stehen, zu dem sich die Landwirtschaft bekennt", betonte Preineder. Er übte gleichzeitig Kritik an den hohen Verwaltungskosten, die derzeit mit 30% geschätzt werden, und an den vielen Vorprüfungen, die einen hohen Verwaltungsaufwand nach sich ziehen. Außerdem seien die Projektbedingungen transparent zu machen
und klar zu legen, welche Kulturarbeit bewilligungspflichtig und welche frei ist, so Preineder.

Bundesländer sollen Finanzierungskonzepte vorlegen
"Darüber hinaus fordern wir von den Bundesländern, dass sie vor der Erlassung von Europaschutzgebietsverordnungen und vor der Beschlussfassung von Managementplänen entsprechende Finanzierungskonzepte für das Natura 2000-Netz vorlegen. Wir wollen nämlich nicht, dass den Bauern in Managementplänen Auflagen und Einschränkungen für die Bewirtschaftung vorgeschrieben werden, aber keine ausreichenden Finanzmittel zur Verfügung stehen", ergänzte Preineder.

Schließlich appelliert die Plattform "Natur zum Leben" an die Verantwortlichen in Österreich und auf EU-Ebene, danach zu trachten, dass nicht aus Finanznöten das EU-Agrarbudget für eine Mitfinanzierung von Natura 2000 herangezogen wird. Preineder: "Die Gesellschaft verlangt von uns zur Erhaltung der Kulturlandschaft Bewirtschaftungseinschränkungen. Diese führen aber für die Landwirte zu geringeren Einkommen. Wenn die Kompensation dieser Einkommenseinbußen nun aus dem Agrarbudget erfolgen soll, so zahlen sich die Bauern die Umsetzung von Natura 2000 selbst. Das lehnen wir ab."

Statements des Hauptverbandes des Land- und Forstwirtschaftsbetriebe Österreichs, 
der Jagdverbände und der Österreichischen Bundesforste

Schenker: Wissen der Grundeigentümer nutzen, Finanzierung sicherstellen, Vertrags-naturschutz forcieren
Waldbesitzer und Landwirte bei Gebietsausweisung und Erstellung von Managementplänen einbinden


"Der Hauptverband der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe vertritt rund 600 Grundeigentümer, deren Besitzungen zu einem erheblichen Teil als "Natura-2000-Schutzgebiete" ausgewiesen sind. Ihr verantwortungsvoller Umgang mit dem natürlichen Erbe und ihr spezielles Wissen einer nachhaltigen Bewirtschaftung hat jene Landschaft geprägt, die nun als schützenswert erachtet wird. Dieses wertvolle Wissen der Grundeigentümer gilt es zukünftig zu nutzen", betonte Dipl.Ing. Stefan Schenker, Präsident des Hauptverbandes der Land- und Forstwirtschaftsbetriebe. 

Schenker weiter: "Bei der Gebietsausweisung und Erstellung von Managementplänen wurden die Waldbesitzer und Landwirte von den zuständigen Behörden praktisch nicht eingebunden. Das hat bei der Auswahl von Gebieten zu vielfältigen Fehlern geführt. 

"Damit solche Fehler in Zukunft vermieden werden, sollten die Grundeigentümer in Zukunft bei allen maßgeblichen Entscheidung mit eingebunden werden", forderte Schenker. "Auch bei Maßnahmen, mit denen man seltene Tier- und Pflanzenarten schützen will, sollte man ihr Fachwissen nutzen."

"Um die Bedürfnisse von Grundeigentümern und Naturschutz in partnerschaftlicher Zusammenarbeit und ohne Konflikte zu lösen, sollte man in Zukunft verstärkt auf das Modell des Vertragsnaturschutzes setzen. Dass dies möglich ist, zeigt die Arbeit des Naturschutzvereines BIOSA oder auch die Schaffung des Österreichischen Naturwaldreservate-Programms", so Schenker abschließend.


Jagdverbände: Natura-2000-Umsetzung muss fair, nicht ruinös erfolgen
Jäger bei Erhaltung sensibler und seltener Tierarten oder Lebensräume gefragt
"Die Idee eines Netzwerkes Natura 2000 könnte von Jägern entwickelt worden sein. Langfristig sollen alle für unsere Heimat typischen Tierarten, Pflanzenarten und Lebensräume gesichert und unseren Nachkommen erhalten werden.

"Die Jäger erwarten von der Umsetzung des Vorhabens Natura 2000 eine faire und für die Grundeigentümer nicht ruinöse Vorgangsweise der Gesellschaft. "Grosse Naturschutzziele können nicht allein durch Sonderopfer weniger Grundeigentümer erreicht werden. Die Allgemeinheit muss sich zu Natura 2000 bekennen und einen fairen finanziellen Ausgleich anbieten, wenn Grundeigentümer und legitime Nutzungsberechtigte für Natura 2000 Mehraufwand bei der Erhaltung, Erschwernisse bei der Bewirtschaftung, Gebote und Verbote bis hin zu einem Nutzungsverzicht hinnehmen müssen, um das Ziel Natura 2000 für alle zu erreichen", so Dr. Peter Lebersorger, der Generalsekretär der Zentralstelle Österr. Landesjagdverbände bei der Pressekonferenz.

"Die Jäger können bei der Umsetzung von Natura 2000 mitarbeiten und Leistungen erbringen, die im Zusammenhang mit der Erhaltung sensibler und seltener Tierarten oder Lebensräume gefragt sein können: etwa durch die Bejagung von Beutegreifern (z. B. Fuchs, Steinmarder, Aaskrähen), oder durch die Bewirtschaftung von Schalenwild (z. B. Rotwild, Rehwild, Gamswild). Der Schutz und die Erhaltung von Großtrappe und Raufußhühnern, von Bodenbrütern, von sensiblen Waldgesellschaften oder anderen Lebensräumen wird bei einer Einbindung der Jägerschaft erfolgreich zu bewerkstelligen sein.

Bundesforste: Natura 2000 bietet sowohl Chancen als auch Herausforderungen
Mittel für und Mitwirkung durch den Grund-Eigentümer sichern


"Das Natura-2000-Projekt bietet für die Österreichischen Bundesforste sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Wir sehen Chancen auf Unterstützung bei einem besonders sensiblen ökologischen Umgang mit den Naturflächen und Chancen auf Unterstützung zur Siche-rung der Lebensvielfalt. Herausforderung entstehen dort, wo Leistungen erbracht werden müssen, die über die klassische Flächen-Betreuung und Flächen-Nutzung hinaus gehen", erklärte Dipl.-Ing. Dr. Georg Erlacher, Vorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf AG).

"Deshalb müssen die Mittel für und die Mitwirkung durch den Grund-Eigentümer gesichert sein. Denn nur wenn im Sinne größtmöglicher Identifikation der Grundeigentümer und/oder die sonstigen Flächennutzer stark eingebunden sind, ist eine erfolgreiche Umsetzung denkbar. Als bundesweit agierendes Unternehmen haben die Österreichischen Bundesforste großes Interesse daran, dass zwischen den einzelnen Bundesländern keine zu großen Differenzierungen stattfinden, sondern eine konsequente Vorgangsweise unabhängig von Landesgrenzen Platz greift", so Erlacher abschließend.

Rückfragehinweis: Plattform "Natur zum Leben", c/o Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs, 1014 Wien, Schauflergasse 6, Tel. 01/5344-8590, Fax: 01/53 441-8529, e-mail: a.reinl@pklwk.at

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Informierten anläßlich der Pressekonferenz : Nationalrat Martin Preineder, Sprecher der Plattform "Natur zum Leben" 
Dipl.Ing. Stefan Schenker, Präsident des Hauptverbandes der Land- und Forswirtschaftsbetriebe Österreichs, Dr. Peter Lebersorger, Generalsekretär, Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände und Dr. Georg Erlacher, Vorstand der Österreichische Bundesforste AG 

Foto: Michal

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Mitglieder der Plattform "Natur zum Leben"